Januar 2001, Indien/Nepal

10. januar 2001 - rishikesh/banbassa/ambassa

heute morgen kamen wir gegen 7.00 uhr in banbassa an. wohl waren wir schon einiges von vorhergehenden nachtfahrten gewohnt, doch diese nachtfahrt übertraf sämtliche befürchtungen. goa-hampi war ein kindergeburtstag dagegen! im minuten-takt wurden wir in die luft geschüttelt und aller träume beraubt. doch je länger wir unterwegs waren, desto mehr nahmen wir alles mit humor... was blieb uns auch anderes übrig!? müde und arg gezeichnet von der fahrt waren wir dann doch froh, als wir nach zehn stunden aussteigen durften. war dies der vorgeschmack auf nepal? noch zu erwähnen bleibt, dass diverse sitzbänke während dieser fahrt aus ihrer verankerung gerissen wurden. meine sitzbank war nicht die einzige, die in der mitte zerbrach. in banbassa mussten wir zuerst die aus- und einreiseformalitäten erledigen. mit der fahrrad-riksha ging es dann richtig osten, der aufsteigenden sonne entgegen. vorbei an einfachen bauernhäusern, schulen und feldern. bis nach mahendrangar (nepal), sechs kilometer von der landesgrenze indiens entfernt. in mahendrangar wollten wir zuerst einmal unser frühstück einnehmen und ein hotel aufsuchen. als wir jedoch am busbahnhof eintrafen, entschlossen wir uns spontan – was sonst? – gleich weiterzufahren. unser bus war gerade dabei abzufahren. ich werde diesen augenblick nie in meinem leben vergessen, wie es sich anfühlte, als wir mit unserer riksha in diesen busbahnhof einfuhren. wir sassen wie “king louis” auf dem hohen ross und liessen uns und das zahlreiche gepäck von einem kleinen männlein chauffieren. um uns nur einheimische herum, die haben vielleicht geguckt! irgendwie fühlte ich mich nicht sehr wohl in meiner haut. ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn sich zwei chinesen mitsamt gepäck am düsseldorfer busbahnhof von einer riksha vorfahren lassen... denkt mal drüber nach, freunde der nachtmusik! wie auch immer… zielort war, gemäss unseres zufallsprinzips, der bardia nationalpark. dies bedeutete weitere dreieinhalb stunden busfahrt. total ausgehungert kamen wir dann in ambassa an. überraschend hiess es irgendwann aussteigen, allein auf einer einsamen landstrasse. ohne plan, ohne lonely planet standen wir 60 sekunden völlig paralysiert auf der landstrasse... aber nicht allzu lange... aus dem nichts tauchten plötzlich einige agenten auf, wie sollte es auch anders sein?! unser innigster wunsch war es jedoch, erst einmal unseren hunger und durst zu stillen. was unsere agenten, immerhin vier an der zahl, natürlich weniger interessierte. erst ein etwas energischeres auftreten sorgte für ruhe und zeit, luft zu holen. nachdem wir etwas gestärkt waren, ging es dran, eine entscheidung zu treffen. wir hatten natürlich die richtige wahl getroffen!! die versprochene hotel-anlage, mit 24-hours hot water, entpuppte sich als ein familienunternehmen einfachster prägung. strohdach über dem kopf, wände aus lehm und bambus [diese werden übrigens alle zwei jahre neu verputzt], wasser handgezapft [mit der handpumpe aus den tiefen unserer erde], kein strom, kein telefon, einfach nichts! ich sag’ doch: die richtige wahl getroffen! letzten endes haben wir uns jedoch – oder gerade deshalb!? – dort sauwohl gefühlt. auch dank des guten essens aus mutters kochtopf. bee, der inhaber des nature way, legt grössten wert auf äusserste schlichtheit und lebt selbst auf diesem einfachsten niveau. halt mit den wirklich notwendigen dingen des lebens!!! wir schlafen hier direkt am eingang zum nationalpark und sind mit natur und wildnis unmittelbar verbunden. erst jetzt stellen wir fest, dass genau vier wochen seit unserer camel-safari vergangen sind. vollmond! ist es zufall, dass wir wieder zu diesem natur-ereignis intensivsten kontakt mit den natur-elementen haben? mit uns sind noch zwei weitere gäste bei bee untergebracht. zwei echte freaks aus piräus, griechenland, die ihren tag damit verbringen, frisch gepflückten stoff zu kiffen. christos und jeorgos, beide 26, recht sympathische gesellen, die hier ihren ersten auslandsaufenthalt überhaupt verbringen. nun ja, es gibt sicher attraktivere orte, um erste auslandserfahrungen zu machen (*grins*). abends sassen wir dann gemeinsam am lagerfeuer... einfach toll, diese atmosphäre hier.

11. januar 2001 – ambassa (bardia nationalpark)

nach den strapazen der vergangenen tage hatten wir die letzte nacht sehr genossen – und wohl auch gebraucht. so haben wir erst gegen 11.00 uhr gefrühstückt. danach erkundeten wir zu fuss die gegend. derzeit gibt es hier so gut wie keine touristen. es liegt aber wohl auch an der geographischen lage (west-nepal). die klassischen touri-gegenden sind eher pokhara und kathmandu und diese orte sind gut zwei bis vier tage busfahren entfernt. im kleinen dorf hat es auch keinen strom, selbst das telefonieren ist hier nur bei sonnenschein möglich (über solarstrom). wirklich alles sehr, sehr ursprünglich. aber wir mögen es sehr! da wir am nächsten morgen früh aufbrechen wollten, sind wir bereits gegen 20.00 uhr ins bett gefallen.

12. januar 2001 – ambassa (bardia nationalpark)

am morgen, kurz nach sonnenaufgang, betraten wir den bardia nationalpark zu unserem ein-tägigen dschungel-walk. nachdem wir barfuss einen eiskalten fluss durchquerten, erklärte uns bee die vielfältige vegetation... so begaben wir uns auf die suche nach elephanten, rhinos und tigern. am frühen morgen hatten wir wohl gerade einen tiger verpasst, der maximal fünf minuten vorher den fluss passiert hatte. bee machte pfotenabdrücke ausfindig, die noch feucht vom flusswasser waren. wir wanderten stunden durch den dschungel, machten hier und da rast und sahen dabei hirsche, rehe, affen, vögel und sogar einen elephanten. jedoch nix spektakuläres, keine rhinos oder tiger! gegen abend hatten wir dann doch noch das nötige quentchen glück: in 200 meter entfernung passierte ein royal bengal tiger wiederum den fluss. ständig hielt er blickkontakt mit uns und beobachtete uns während seiner flussüberquerung. genau an jener stelle, an der wir zuvor zwei stunden rast gemacht hatten, um nach ihm ausschau zu halten. bee meinte, dass uns der tiger den ganzen nachmittag beobachtet hätte... alles in allem war es ein grossartiger tag. wir hatten einen wirklich besonderen guide, der uns in kurzer zeit vieles über den dschungel lehrte. am abend nahmen wir noch unser dinner zu uns und beendeten den tag bei wunderbarem lagerfeuer, in bees kleinem paradies. um dieses besondere erlebnis nachwirken zu lassen, entschieden wir uns dann doch noch, auch den nächsten tag hier zu verbringen.

13. januar 2001 – ambassa (bardia nationalpark)

dieser tag stand im zeichen des relaxens. ich nahm nach etlichen tagen wieder ein bad, ein „elephantenbad“ wohlgemerkt. mir standen zehn liter wasser zur verfügung, auf dem lagerfeuer hochgewärmt. es ist schon erstaunlich, dass der ursprünglich tägliche dusch-rhythmus (zu hause bei mir üblich) auf gelegentlich alle vier tage reduziert werden kann. und ich mich dabei auch nicht sonderlich unwohl fühle! ja, dabei fällt mir doch seit langer zeit mal wieder eine kleine übungsaufgabe für die daheim gebliebenen ein: bitte zehn liter lauwarmes wasser abfüllen und dann mit einem ein-liter-messbecher das elephantenbad zu sich nehmen. ohne schummeln! den ganzen körper einseifen, haare waschen und am ende muss natürlich alles shampoo- und seifenfrei sein. echte umweltschützer sammeln das wasser dann noch, um mit selbigem dann die wäsche zu waschen... der letzte teil der übung ist jedoch freiwillig (*grins*). ich warte auf eure erfahrungsberichte! mittags spielten wir dann mit einem kleinen strohball fussball. eins gegen eins. unsere konditionelle verfassung macht uns doch schon etwas sorge... aber wir werden halt auch nicht jünger! so kramten wir wieder in unseren fussballer-erinnerungen, streiften ehemalige erfolge, wichtige tore... ...

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